Vom Tuckerboot zum modernen Festmacherboot
Aufgaben eines Festmacherbootes
Festmacherboote haben die primäre Aufgabe, in Häfen das sichere Fest- und Losmachen von Berufsschiffen zu unterstützen. Insbesondere ist die Befestigung von Leinen an Duckdalben oder Festmachertonnen nur mit Hilfe der Festmacherboote möglich. Im Weiteren ist der Weg über das Wasser meist kürzer als der Weg über die Straße zur Pier des An- oder Ablegers, so dass Festmacherboote viel zum, den Transport von Festmacher-Leuten über das Wasser eingesetzt werden. Zudem sind die Boote fähig leichte Schub- und Schleppeinsätze durchzuführen
Die Konstruktion der Festmacherboote
Festmacherboote unterscheiden sich nicht nur in ihrer zeitlichen Einordnung, sondern auch je nach Revier. Die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Gewässer wie Tidenstrom und Wassertiefen und insbesondere die Größe der Schiffe, die beim An- und Ablegen unterstützt werden müssen, sowie sich verändernde Sicherheitsvorschriften geben den Rahmen für die Konstruktion der Boote vor.
Zudem haben sich weltweit Festmacherboote unabhängig voneinander entwickelt und stellen insbesondere bis in die 1960er die jeweilige Fortsetzung der lokalen Schiffbautraditionen lokaler Werften dar.
Die Entwicklung der Festmacherboote und ihrer Bauwerften im Bereich der Unterelbe
Die Joachim Behrens Werft
Die Werft von Joachim Behrens am Finkenwerder Süderdeich spielte eine zentrale Rolle in der Entwicklung und dem Erhalt der Blankeneser Tuckerboote. Diese Boote wurden aus Holz gefertigt und primär für den Transport von Personen und Waren im Hamburger Hafen genutzt. Durch ihre geringe Größe und Wendigkeit waren sie ideal für enge Hafengewässer und erwiesen sich als äußerst effizient. Die Erfahrung und das handwerkliche Geschick der Werft prägten den hohen Standard dieser Boote und sorgten dafür, dass sie in der Region etabliert wurden.
Die Albert Bonne Schiffswerft, Hermann Zehbe Schiffswerft
Auf der Albert Bonne Werft wurden bis zum Tode von Albert Bonne 1959 zwei Festmacherboote und davor 16 Stoßboote und kleine Motorbarkassen (<10m) gebaut, Diese waren die Grundlage für die weiteren Konstruktionen insbesondere die auf der Werft gebauten Festmacherboote.
1921 kaufte Albert Bonné mit finanzieller Hilfe seines Schwiegervaters, August Wullenweber, ein Grundstück am Jaffekanal, im Busch Nr.48, heute: Vogelhüttendeich Nr. 150. Albert Bonné war wohl ein guter Handwerker, aber ein weniger guter Geschäftsmann. Durch manche Fehlkalkulation kam der Betrieb des Öfteren an den Rand des Existenzminimums. Im Jahre 1958 starb Albert Bonné. Die Firma ging in Konkurs 1959 übernahm 1959 Herrmann Zehbe den Betrieb und die Belegschaft von Albert Bonné, der im Jahre vorher verstorben war. Bei der großen Flut 1962 kam der Schiffbaumeister und Kunstschmied Hermann Zehbe ums Leben. Sein Sohn Dieter Zehbe übernahm den Betrieb, die Firmierung Schiffswerft Hermann Zebbe blieb bestehen. Bis 1970 wurden noch 23 Neubauten und davon 22 Festmacherboote, abgeliefert. Dann wurde die Schiffbauabteilung geschlossen und nur noch Maschinenbau und Stahlarbeiten durchgeführtAugust Böttcher
Baute zwischen 1893 und 1930 in Finkenwerder am heutigen Norderkirchenweg 12, Kutter und Arbeitsboote, sowie Festmacherboote (vermutlich Tuckerboote). Das besondere war, dass die Anlagen Binnendeichs waren, sodass alle Neubauten über den Deich hinweg zu Wasser gebracht werden mussten
Theodor Buschmann
Thomas Theodor Buschmann gründete diese Werft am 21.06.1882 am Schanzengraben auf Steinwerder zum Bau hölzerner Schuten. Der Betrieb zog 1892 an den Köhlbrand / Ross. Auf ein 1.560 qm Grundstück, heute Tollerortweg 9. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Werft nach totaler Zerstörung ein neuer traditioneller Platz am ehemaligen Holzhafen am Reiherstieg, Reiherstiegdeich 53, zugewiesen. Hier begann ein Neuaufbau. Der Werft konnte eine schwere Krise im 1958 meistern und hielt mit der allgemeinen Entwicklung Schritt und existiert noch heute. In den Aufzeichnungen findet sich nur ein 6m Festmacherboot „Spleiss“, dass im Jahre 1959 hier gebaut wurde.

Heinrich Grube
1865 gründete der Schiffbauer Christopher Grube in Kirchwerder 120, Lütjenburg, eine Werft für den Bau und die Reparatur von kleinen hölzernen Flussschiffen . Das Gelände auf dem Werder vor der Kleinen Elbe lag jedoch ungünstig und wurde bei Hochwasser oft überschwemmt. Darum wurde 1898 ein weiterer Betrieb am Deichfuß bei Warwisch, am Kirchwerder Elbdeich 669, auf 1.000 qm mit Wohnhaus aufgebaut.
Der Übergang vom Holz- zum Stahlschiffbau begann 1906. Die ersten Schiffe bekamen aber noch hölzerne Böden. Diese hatten, wegen der häufigen Grundberührung auf der Elbe, einen gewissen Vorteil gegenüber dem Stahlboden, machten die Schiffe aber langsamer.
Die Gewerbegenehmigung wurde 1909 von hölzernen Schiffen auf solche aus Stahl ausgedehnt. Wurden die Holzschiffe sonst fast ohne Pläne oder Risse, nur mit der Erfahrung des Schiffbauers und von Hand gefertigt, so waren jetzt umfangreiche Vorarbeiten und der Einsatz von Maschinen erforderlich geworden.
Der Werftbetrieb wurde 1962 nach der großen Sturmflut in den Hafen Oortkaten an der Elbe verlagert. Hier wurden bis 1982 vor allem große Binnenschiffe bis 3000 Tonnen gebaut, aber auch andere Binnen- und Hafenschiffe und 1978 der 9m lange Festmacher Fastmoker III. Dieser Betrieb ging 1999 in Konkurs.
Bootswerft Gebr. Kröger
Die Bootswerft Gebr. Kröger wurde ca. 1908 gegründet und hatte zwei Standorte: Kröger J.jun. & Gebr. Hübener, Bootsbauerei, Övelgönne neben 11 und Kröger Gebr. Johs.+ Jac. & Gebr. Hübener, Bootsbauerei, Billwerder Neuer Deich 240.
1932 gab es nach überstandener Wirtschaftskrise einen Neuanfang unter der Firma Bootswerft Gebr. Kröger, Inh. Hans Kröger. Es wurden, neben Kleinfahrzeugen, wie Festmacher- und Motorbooten, meist Rettungsboote in Holz, Stahl und Aluminium gebaut. Für den Bau von GFK-Booten fehlte der Raum.
Johann Oelkers
Die Oelkers-Werft ist eine ehemalige deutsche Werft und galt als Hamburger Traditionsunternehmen. Sie wurde im Jahr 1876 von Johann Oelkers auf Steinwerder als Reparaturwerft gegründet und wurde 1888 zum Reiherstieg verlegt. Zu Spitzenzeiten beschäftigte sie 220 Mitarbeiter. Das Werftgelände betrug im Jahr 1991 25.000 m². Die Werft meldete 1987 Insolvenz an und ging im Jahr 1991 endgültig in Konkurs.
Vor dem II. Weltkrieg wurden hier ca. 13 kleine Motorbarkassen mit geringer Leistung gebaut, die auch als Festmacherboote in ihrer Zeit geeignet waren 6 moderne Festmacherboote wurden hier zwischen 1980 und 1986 gebaut.


August Pahl
August Pahl gründete 1897 eine Werft in Hamburg-Finkenwerder auf dem Gelände von J. C. Wriede, hier baute er vorwiegend Barkassen und Motorboote. Aufgrund von fehlenden Ausdehnungsmöglichkeiten erfolgte 1910 ein Umzug auf ein größeres Gelände am Köhlfleet. Bis 1939 wurden hier 3 Festmacherboote für Max Meyn gebaut. Nach dem Krieg wurden neben den Motorbarkassen und Motorschleppern außerdem viele Feuerlöschboote gebaut, einige Fahrgastschiffe und fast 20 Seenotrettungsboote.
Beschädigungen aufgrund der Sturmflut 1962limitierten die maximale Größe der hier baubaren Schiffe. Nach mehr als 300 Neubauten ging die Werft 1984 in Konkurs.

1. Generation: Arbeitsboote – Die Anfänge moderner Festmacherboote
Ab den 1920er Jahren wurden die ersten Holzruderboote, mit Motoren (ca. 15 PS) nachgerüstet. Diese rudimentären Motorboote erlaubten zunächst nur Vorwärtsfahrten, was die Manövrierfähigkeit einschränkte. Erst die Einführung von Wendegetrieben ermöglichte die dringend benötigte Rückwärtsfahrt, wodurch die Boote deutlich vielseitiger wurden. Typisch für diese Boote war die einfache, aber effektive Pinnensteuerung, die in engsten Räumen äußerst präzise Kontrolle bot. Einige dieser Holzboote blieben bis in die 1950er Jahre im Einsatz. Hier sind z.B. die Blankeneser Tuckerboote, die ursprünglich für den allgemeinen Hafenbetrieb konzipiert waren, als Grundstein für die Entwicklung moderner Festmacherboote zu sehen. Durch deren fortlaufende Verbesserungen und Anpassungen entstand eine neue Klasse robuster und leistungsfähiger Arbeitsboote, die speziell für das sichere Festmachen von Schiffen entwickelt wurden.

2. Generation - Offene Stahlschiffe (ab 1960)
Mit der zunehmenden Nachfrage nach spezialisierten Festmachern entstanden ab 1960 erste Boote aus Stahl. Diese waren zwischen 6 und 8 Meter lang und mit 50 PS starken Dieselmotoren ausgestattet. Für den Winterbetrieb erhielten sie Eisverstärkungen. Ein typischer Vertreter dieser Generation ist die „Erna Hellm III“.
3. Generation - Offene Stahlschiffe mit Wasserdichten Schotten (ab 1967)
Die dritte Generation brachte entscheidende Sicherheitsverbesserungen: Ab 1967 wurden Boote mit Schotten in Sektionen unterteilt, um ein Sinken durch Rumpfschaden oder bei großer Wassernahme durch Seegang zu verhindern. Zudem stieg die Motorleistung auf über 100 PS. Ein Beispiel für diesen Bootstyp ist die „Steg Ut“, eines der letzten offenen Boote mit Pinnensteuerung.

4. Generation - Festmacherboote mit Fahrerkabine (ab 1975)
Mitte der 1970er Jahre wurden Boote mit Kabinen ausgestattet, um den Anforderungen an Arbeitssicherheit und Wetterschutz gerecht zu werden. Der Freibord wurde erhöht, und die Steuerung wechselte von der Pinne zum Rad. Ein Vertreter dieser Generation ist die „Wilhelm“ der Firma Kohlenberg.

5. Generation - Verbesserte Sicherheit und Leistung (ab 1985)
Immer größere Schiffe und strengere Sicherheitsvorschriften führten zu einer neuen Bauweise. Boote dieser Generation erhielten geräumige Kabinen, einen sehr hohen Freibord und Motoren mit bis zu 300 PS. Typisch sind die auffälligen orangenen Boote wie die „Boxer“.
6. Generation - Moderne Festmacher (ab 2010)
Ab 2010 wurden Boote immer stärker auf den Festmachprozess optimiert. Umweltauflagen wie der reduzierte Dieselausstoß spielten eine zentrale Rolle. Ein Beispiel ist die „Lütt Deern“, die 2016 auf der Behrens Werft in Finkenwerder gebaut wurde.
Außerdem entstanden, nicht nur in Hamburg, Pontonboote die zum Festmachen genutzt wurden. Diese sind, außer im Hamburger Hafen, auch am Nord Ostseekanal im Bereich der Schleusen Brunsbüttel und Kiel zu finden. Ein Beispiel hierfür sind die s.g. Makker Boote der Fa. Schramm in Brunsbüttel, die in ähnlicher Form auch in Hamburg eingesetzt werden.

Sonderformen - Pontonboote (ab 2010)
Zusätzlich entstanden in den letzten Jahren Pontonboote, die speziell für den Einsatz in Schleusenbereichen wie Brunsbüttel und Kiel konstruiert wurden. Beispiele sind die sogenannten Makker-Boote der Firma Schramm in Brunsbüttel.
Fazit
Die Entwicklung der Festmacherboote zeigt, wie technische Innovationen und regionale Anforderungen das Design und die Funktion dieser Boote geprägt haben. Von einfachen Holzbooten bis hin zu hochmodernen Konstruktionen spiegelt sich in jeder Generation der Fortschritt der Schifffahrts- und Werfttechnik wider.